Die Welle der Retro First-Person Shooter will einfach nicht abbrechen. Kaum veröffentlicht Publisher 1C Entertainment das ausgezeichnete Dread Templar, steht mit dem atmosphärischen Forgive Me Father schon der nächste Boomer Shooter an. Wir haben uns Kruzifix und Schrotflinte geschnappt, allerlei Monstern den Garaus gemacht und verraten euch im Test, ob sich der Titel schon in der aktuellen Early Access-Version lohnt oder ihr lieber auf die vollständige Vollversion warten sollt.
Forgive Me Father ist auf den ersten Blick ein klassischer Ego-Shooter wie er im Buche steht. Die unzähligen Gegner wandern in sich immer wiederholenden Animationen als 2D-Sprites auf uns zu, Waffen müssen nicht nachgeladen werden und werden nur aus der Hüfte geschossen, verlorene Gesundheit erhalten wir mit aufgesammelter Medizin zurück, Rüstungen dienen als zusätzliche Sicherheit und verschlossene Türen wollen mit dem farblich korrekten Schlüssel geöffnet werden.
Auf den zweiten Blick lassen sich aber jedoch auch moderne Einflüsse entdecken, die den Titel vom Einheitsbrei abheben sollen. So finden wir im Verlauf unserer Reise nicht nur Waffen, sondern auch andere Hilfsmittel, wie u.a. eine Lampe, eine Bibel oder auch ein Kruzifix, die alle ihren Nutzen gegen die mörderischen Schergen haben. So erhellen wir, ohne große Überraschungen, mit der Lampe dunkle Bereiche und sind dabei genauso wehrlos für den Moment, wie damals mit der berühmt-berüchtigten Taschenlampe aus Doom 3. Übernatürlicher wird es da schon bei den restlichen Gegenständen, da es sich dabei um heilige Relikte handelt. So frischt uns z.B. das Kruzifix unsere Gesundheit um eine kleine Menge wieder auf und die Bibel macht uns sogar für wenige Sekunden komplett unbesiegbar. Während die Lampe jederzeit herausgeholt werden kann, sind die erwähnten Relikte schon etwas Besonderes und verfügen deswegen nicht nur über eine Abklingzeit, sondern benötigen sie erstmal abgezapften Wahnsinn, um funktionstüchtig zu sein. Wahnsinn bauen wir in den Kämpfen auf. Je schneller wir unsere Feinde in kurzer Reihenfolge abschlachten, desto mehr Wahnsinn staut sich in uns an. Damit dieser dann uns nicht übermannt, dienen die Relikte quasi als Schwamm und wandeln ihn in Aufladungen auf.
In den Kämpfen selber kommt es natürlich dann auf unser traditionelles Arsenal an allerlei Schusswaffen an. Da hätten wir ein Messer, Revolver, doppelläufige Schrotflinte, Maschinengewehr, Maschinenpistole und ein Harpunenwerfer. Klingt erstmal übersichtlich, aber Forgive Me Father hat noch die eine oder andere Überraschung parat. So ist der Fokus auf Trefferzonen schon mal etwas, was man nicht unbedingt in jedem Boomer Shooter antrifft, vor allem wenn 2D-Sprites benutzt werden. Gerade Kopftreffer sind hier jedoch bei den meisten Feinden sehr effektiv und sorgen in der Regel für One-hit-kills.
Mit jedem getöteten Bösewicht erhalten wir Erfahrungspunkte, die nach einer gewissen Summe zu einem Levelaufstieg führen. Mit jedem Aufstieg erhalten wir einen Fähigkeitspunkt, den wir in etliche Skills investieren können. Einer lässt uns mehr Munition tragen, andere verbessern unsere Relikte, aber wirklich interessant wird es erst mit den Upgrades für unsere Waffen. Hier haben wir dann in den meisten Fällen die Auswahl zwischen zwei verschiedenen Verbesserungen, welche die Schießeisen nochmal auf den Kopf stellen können. So wird die Maschinenpistole zum toxischen Granatwerfer und unsere Schrotflinte wird von einer unbekannten Lebensform besessen, was u.a. dazu führt, dass die Projektile nun zu wilden Querschlägern werden.
Der Titel befindet sich gerade mal am Anfang seiner Early Access-Phase und bietet mit zwei Akten, die insgesamt zwölf Level beinhalten, so grob die erste Hälfe des Spiels. Am Ende sollen dann ganze fünf Akte mit fünfundzwanzig Level auf uns warten, die nochmal einiges mehr an Gegnervarianten, neue Waffen, weitere Fähigkeiten und eine zweite spielbare Protagonistin bereithalten. Die Veröffentlichung der Vollversion ist dabei für die erste Jahreshälfte 2022 angepeilt, doch die Entwickler schließen eine mögliche Verschiebung natürlich nicht aus, falls der Titel am Ende noch nicht ihre Ansprüche erfüllt. Bis dahin sind zwei größere Updates geplant, die neben technischen Ausbesserungen und Content auch ein noch unangekündigtes Gameplay Feature bereithalten sollen.
Wir können nicht über Forgive Me Father reden, ohne über die, zwar nicht einzigartige, aber dennoch besondere Präsentation des Titels zu reden. Dabei sind 2D-Sprites in 3D Umgebungen so alt wie das erste Doom und eine moderne Interpretation hat schon das 2019 erschiene Void Bastards über die Bühne gebracht, doch Forgive Me Father schafft es dann doch einen Ticken besser, die sauberen und hochaufgelösten Sprites in eine stimmungsvolle Umgebung zu implementieren, die da schon mehr an das Grindhouse Film-Genre erinnert.
Was die Musik angeht, fehlt ein wenig die klare Linie. Zwar dominieren eher atmosphärische Synthie Stücke die Gruselstimmung des Spiels, doch an manchen Stellen knallen einem plötzlich Double Bass und tief gestimmte Gitarrenriffs entgegen, als wären plötzlich ein Mick Gordon oder Andrew Hulshult als Komponisten eingesprungen. Das ist sicherlich nicht verkehrt in manchen Szenen, doch wirkt es im restlichen Soundtrack etwas verloren und passt nur bedingt zum restlichen Ton des Spiels, der mehr an John Carpenter erinnert.
(getestet von Para)
Forgive Me Father ist seit dem 26. Oktober auf Steam, GOG und Epic Games Store im Early Access erhältlich.